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1

Donnerstag, 18. Juni 2015, 14:59

Wo Europa schrumpft

Erstmals haben Wissenschaftler die Bevölkerungsentwicklung detailliert für alle Gemeinden Europas ermittelt. Was nicht verwundert: Die Menschen zieht es ans Meer. Und es gibt klare Verlierer-Regionen ... Tatsächlich fallen bei näherem Hinsehen zahlreiche rote Felder rund um die Metropolen und Großstädte der meisten Staaten auf. Besonders in Polen sei dies gut sichtbar, so Schmidt-Seiwert ... ( Quelle: welt.de )

Sehr Interessant, nicht nur für Polen, man schaue sich auch mal Deutschland an....

2

Freitag, 19. Juni 2015, 12:09

Europa verändert sich eben deutlicher als viel wahrhaben wollen.

olaf

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3

Freitag, 19. Juni 2015, 18:57

Ich liebe das Meer, aber dort hinziehen wuerde ich nicht - allein schon wegen der Klimaverschiebung.
Metropolen: klar, da gibt es bezahlte Jobs fuer die breite Masse - aber gut bezahlt ? (in Anbetracht der Kosten -siehe Warszawa)
Was wirklich auffaellt: wenn Du nicht mobil bist fuer mehr als 50 km one way/ min 1 Stunde ...Arschkarte. Wer zahlt dafuer? Der Arbeitgeber?

Ihr bestellt bei Amazon, ebay usw:
Die Leute dort arbeiten zu miserablen Bedingungen, aber fuer Euch ist das bequem. Die schoenen, besonderen Innenstadtlaeden sterben aus, Ketten uebernehmen mit Mainstream.Kleine Einzelhaendler haben eben andere Preise..
Der klassische deutsche Mittelstand stirbt aus.
Das gilt fuer D, PL, England, Italy usw - alles erlebt und gesehen.

Gruss,
Olaf

4

Samstag, 20. Juni 2015, 09:29

Wir leben eben nicht mehr (oder nur in immer enger werdenen Grenzen) in Deutschland, Polen, Italien - sondern wir leben - und das immer mehr - in Europa !

Darek

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5

Samstag, 20. Juni 2015, 16:52

Interessantes Thema - Stadtflucht / Landflucht und Konsumverhalten. Gehört für mich alles irgendwie zusammen.

Land- bzw. Stadtflucht hat es doch eigentlich immer schon gegeben. Städte entstanden ja ursprünglich aus einer Überversorgung heraus - die Bauern im Mittelalter konnten durch die Entwicklung besserer und "modernerer" landwirtschaftlicher Geräte mehr produzieren und waren so in der Lage, ihren Überschuß verkaufen zu können.
Neben diesem Handel entstand zugleich das Handwerk, denn die Bauern konnten nun ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse gegen handwerkliche Erzeugnisse eintauschen, es entstand eine erste städtische Ökonomie, die sich extrem stark von einer ländlichen unterschied. Sie war eine Grundvoraussetzung für das Entstehen mittelalterlicher Städte. Viele Handwerker wollten zudem unabhängig von der feudalen Herrschaft sein und flüchteten aus den Dörfern. Sie siedelten sich in der Folge in Städten an, die zu Handwerks- und Handelszentren wurden.
Auch sollte man den Aspekt der verhassten "Lehnsherrschaft" nicht vergessen - hieraus entstand ja in der Folge der Spruch "Stadtluft macht frei!"

Weiter wuchs die Bevölkerung in den Dörfern durch die verbesserten Erntebedingungen ziemlich schnell und da in den Dörfern nicht genügend Platz war, verließen viele Menschen ihre Dörfer und ließen sich in den aufblühenden Städten nieder - meist um die Herrschaftszentren herum und in er Nähe zu Klöstern. Hieraus bildeten sich dann ab dem 7. Jahrhundert die ersten größeren Städte.

Durch die ebenfalls verbesserte Infrastruktur entstanden befestigte Strassen und richtige Marktplätze, was wiederum den weiter entfernteren Handel ermöglichte.
Auch bot eine befestigte Stadt mehr Schutz gegen Plünderungen als ein unbefestigtes Dorf.
In der Folge entstanden letztlich Industriezentren, die den Menschen mehr Wohlstand brachten. Später entwickelte dann die Gründung von großen Städten die Verkehrs- und Handelsknotenpunkte, mit immer weitreichenderen Wirtschaftsbeziehungen. (Heute spricht man von Globalisierung.)

Dies hatte aber nicht nur Vorteile. Die Menschen in den Städten waren es irgendwann leid, täglich den Gestank, den Lärm und die Hektik des Stadtlebens ertragen zu müssen - wer es sich leisten konnte, flüchtete auf´s Land, in die Stadt-Peripherie.
Eine Stadt- bzw. Landflucht hat es also immer schon gegeben.

Beim Konsumverhalten vollzog sich eine ähnliche Entwicklung: Die Menschen in den Dörfern waren früher entweder Selbstversorger oder mussten in den Geschäften einkaufen, die im Dorf vorhanden waren. Alternativen waren wegen der oftmals weiten Entfernungen zu Nachbardörfern kaum vorhanden.
Es gab keine Autos, eine Versorgung mit Produkten des täglichen Bedarfs erfolgte deshalb in Geschäften "um die Ecke".
Ausnahme waren hier teilweise die sogannten "fliegenden Händler".

Bedenken sollte man dabei aber auch, dass diese Tante-Emma-Läden immer eine gewisse Monopolstellung hatten - die Produkte waren daher ziemlich teuer und oftmals auch ausverkauft. Das kleine Schwätzchen an der Ladentheke gehörte zwar zum Einkaufserlebnis dazu, trotzdem war eine Monopolstellung nicht zu übersehen. Viele Einzelhändler waren dadurch in der Lage, zu gewissem Reichtum zu kommen - nicht wenige dieser Geschäftsinhaber bauten sich große Mehrfamilien-Häuser und erwirtschafteten Renditen im zweistelligen Bereich, heute absolut unmöglich. Dies war auch der Grund dafür, dass sich bereits vor hundert Jahren Konsumgenossenschaften der Arbeiterbewegung bildeten, die allerdings auch nicht sonderlich billiger waren.

Heute leben wir Zeiten einer rasanten Entwicklung - während der traditionelle Handel noch versucht, Kunden zu binden und immer besser zu informieren, bleiben die Kunden einfach zu Hause und bestellen auf moderneren Wegen ihre Produkte des täglichen Bedarfs im Internet. Ob amazon, zalando oder Otto-Versand - die Entwicklung lässt sich nicht aufhalten. Selbst Lebensmittel können wir heute schon per Internet bestellen. Sogar von einem intelligenten Kühlschrank, der automatisch Waren nachbestellt, wenn sie fehlen, wird heute schon gesprochen.
Ob dies nun sinnvoll ist oder nicht, bleibt dahingestellt.

Die Entwicklung modernen Einkaufens wird weitergehen, so viel ist sicher.
Eine Form des modernen Einkaufens ist das so genannte Social Marketing oder Social Retail - immer mehr Menschen verlassen sich bei ihren Einkaufs-Entscheidungen auf die Empfehlungen und Erfahrungen guter Freunde. Und werden dann oftmals für das Weiter-Empfehlen der Produkte vom Unternehmen belohnt.

Nostalgie macht zwar viel Spaß - moderne Entwicklungen lassen sich aber nun mal nicht aufhalten. Allerdings haben wir immer die Möglichkeit selbst zu entscheiden, wie weit wir den Weg mitgehen wollen. Meine Lebensmittel zumindest kaufe ich auf jeden Fall auch zukünftig beim Bauern "um die Ecke". :zakupy
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Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von »Darek« (20. Juni 2015, 17:04)


6

Sonntag, 21. Juni 2015, 10:49

Das Thema ist sicher unter dem Aspekt von Kosum und Kaufverhalten interessant. Auch der Gedanke "Landflucht" ist auch aus meiner Sicht wichtig. Zugleich meine ich, dass man das angesprochene Thema noch viel breiter sehen sollte - diese Prozesse vollziehen sich jetzt europaweit, wenn nicht gar weltweit, zumindest beginnen sie sich in diesen Maßstäben zu vollziehen. Das ist dann zugleich mit dne Völkerwanderungen zu vergleichen. Man denke nur daran, dass inzwischen 2 Millionen Polen in Deutschland leben, dort arbeiten und ihr Geld verdienen. Natürlich wären auch die Zahlen, wenigstens für Großbritannien noch zu nennen. Ich habe mal gelesen, dass der derzeit rund 20 Millionen Polen außerhalb Polens leben. Und es geht nicht nur um Polen. Auch Portugiesen, Spanier, Griechen leben wie Syrer oder Palestinenser außerhalb ihrer Heimat - das alles hat doch Konsequenzen - und wenn es auch nur die ist, dass sich so unser Leben insgesamt in allen Ländern verändert.

Darek

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7

Sonntag, 21. Juni 2015, 12:39

Klar hat das Konsequenzen. Und nicht nur, dass sich unser aller Leben dadurch verändert und oftmals auch bereichert - Pizza, Couscous, Bulgur, Burger. Wir gehen heute zum Chinesen, zum Inder, zum Griechen oder zum Albaner, wir können heute schon bald an jeder VHS jede erdenkliche Fremdsprache erlernen. Oftmals wanderen aber Akademiker und Führungskräfte aus, die im Heimatland dann fehlen.

Was mich nur immer wieder wundert ist der Umstand, dass ständig davon gesprochen wird, wie viel "Völkerwanderung" nach Deutschland zu beobachten ist. Andersherum geht´s aber genauso: Jedes Jahr wandern Tausende deutscher Staatsbürger aus, Deutschland ist ein Auswanderungsland!
(Na ja, die Deutschen waren schon immer ein reiselustiges Völkchen :) )

Zwischen 2009 und 2013 wanderten über 710.000 deutsche Bundesbürger aus - dem standen aber nur 580.000 Zuzüge gegenüber. In den Jahren zwischen 1991 und 2013 verließen über 3 Millionen Bundesbürger das Land und es kehren immer weniger davon wieder nach Deutschland zurück.

Die Gründe sind hierbei eigentlich ziemlich identisch mit denen der Menschen, die nach Deutschland einwandern: Unzufriedenheit mit den Verhältnissen im Heimatland und wirtschaftliche Interessen.

Hauptziele deutscher Auswanderer waren dabei die Schweiz, Österreich, die USA und Großbritannine und - man höre und staune - sogar Polen. Knapp 100.000 zog es in die östliche Region. Was ich durchaus verstehen kann
:thumbsup:
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8

Sonntag, 21. Juni 2015, 12:54

ich möchte nicht so verstanden werden, dass ich von "Völkerwanderung nahc Deutschland" gesprochen hätte - nein, ich meine die "Wanderungen der Völker" in alle Richtungen ! Darüber, inwieweit Pizza, Couscous usw. Bereicherungen sind, denke ich noch nach. Sie wären für mich auf alle Fälle Bereicherungen, wenn auch die deutsche Küchentradition daneben Bestand und eine Zukunft hätte. Das scheint mir derzeit nicht so zu sein. Hier müßten die deutschen Traditionen noch besser gepflegt werden, denn ich möchte neben asiatischer, griechischer, indischer, italienischer und sonst einer Küche aus irgendeinem Land auch deutsche Küche genießen können.

Darek

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9

Montag, 22. Juni 2015, 09:35

Okay, einverstanden. Nur hatte ich ja von Bereicherung gesprochen und nicht von Ersatz. Und als Bereicherung empfinde ich alles, was meinen Horizont erweitert, mich über den "Tellerrand" schauen lässt.

Ich glaube eigentlich auch nicht, das die deutsche Küchentradition vernachlässigt wird. Ganz im Gegenteil - gerade durch die zunehmende SlowFood-Bewegung rücken traditionelle Rezepte wieder mehr in den Vordergrung und immer häufiger bieten neu eröffnete Restaurants traditionelle Gerichte aus der jeweiligen Region an.
Das Problem liegt meiner Meinung nach aber an der FastFood-Mentalität gerade der jüngeren Generation. Es ist einfacher, sich eine Pizza kommen zu lassen, als sich selbst etwas zu kochen. Zumal viele gar nicht mehr wissen, wie das eigentlich funktioniert.

Hm ... ich denke, wir schießen jetzt etwas über´s Ziel hinaus, war das Thema des Threads doch eigentlich "Wo Europa schrumpft".
:rolleyes:
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10

Montag, 22. Juni 2015, 14:25

Ich habe mal gelesen, dass der derzeit rund 20 Millionen Polen außerhalb Polens leben.

Dagegen sind die 3 Millionen Deutsche welche aus Deutschland ausgewandert sind ja fast ein Klacks ;) 20 Mio, das ist schon ne Ordentliche Zahl....Wäre mal interessant zu wissen wie viele auch wieder zurück kehren möchten.

Darek

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11

Montag, 22. Juni 2015, 17:59

Hm, 20 Millionen halte ich für extrem zu viel. Polen hatte im letzten Jahr etwas mehr als 38 Millionen Einwohner, bei 20 Millionen Auswanderern wären das ja fast 50% der gesamten polnischen Bevölkerung!
Richtig ist allerdings, dass die polnische Diaspora weltweit ca. 20 Millionen Polen umfasst, also auch z.B. diejenigen, die keine polnische Staatsbürgerschaft besitzen, aber polnischer Herkunft sind.

Polen hatte nach dem EU-Beitritt in den Jahren 2004 bis 2007 einen Bevölkerungsverlust von ca. 2 Millionen Menschen zu verzeichnen. Jetzt kommen viele von ihnen wieder zurück, weil sie im Ausland genug Geld für einen Neustart verdient oder das Heimweh nicht mehr ausgehalten haben.

http://www.tagesspiegel.de/themen/report…ng/9840110.html
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12

Dienstag, 23. Juni 2015, 10:21

Bevölkerungsverlust von ca. 2 Millionen Menschen

Nur ob diese Zahlen so stimmen mögen? Viele bleiben ja auch in Polen gemeldet und leben dennoch permanent im Ausland. Wäre also die Frage, wie solche Zahlen ermittelt werden...

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Verwendete Tags

Abwanderung, Emigration, Europa

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