Du bist nicht angemeldet.

Darek

Meister

  • »Darek« ist männlich
  • »Darek« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 2 402

Wohnort: von dieser Welt, also Erdling

  • Private Nachricht senden

1

Montag, 5. Juni 2017, 16:32

Sommerzeit = Bio-Erdbeerzeit?

Da möchte man doch einfach nur noch zugreifen - endlich wieder Erdbeeren! Überall sprießen die Stände mit den sensiblen Früchtchen aus dem Boden, bald an jeder Ecke kann man sie jetzt kaufen.

Es ist Juni, die Hauptsaison für die Erdbeere, einer verwöhnten Prinzessin. Sie mag es weder zu kalt noch zu nass und reagiert äußerst empfindlich, wenn ihr etwas nicht passt.
Wissen auch die Bauern und lassen daher oftmals die Finger vom Anbau, braucht man doch viel Gefühl und Geduld für die roten Früchte. Und diejenigen, die sich doch an den Anbau wagen, versuchen der Natur ein Schnippchen zu schlagen: Da das launische Frühlingswetter den Erdbeeranbau sehr risikoreich macht, setzen die Landwirte auf den so genannten geschützten Anbau. Ihre Erdbeeren wachsen in zumeist begehbaren Folientunneln. Diese halten die Wärme und schützen vor zu starkem Regen.

Alles ziemlich aufwendig und daher teuer. Und erst bei der Ernte zeigt sich dann, ob sich die viele Arbeit gelohnt hat. Erdbeeren sind nämlich sehr anfällig für Schädlinge und Krankheiten - egal, ob im Folientunnel oder im Freiland aufgewachsen.
Das fängt mit dem Erdbeerblütenstecher an, einem Käfer, der seine Eier in die Knospen der Erdbeerpflanze legt. Die Spinn- und Erdbeermilben lassen die Blätter welken und über die Früchte, die dennoch heranwachsen, machen sich dann die Schnecken her. Auch diverse Pilze, die im Boden die Wurzeln faulen lassen, schaden den Erdbeeren.

Konventionelle Erzeuger spritzen daher gegen Schädlinge und Pilze synthetische Pestizide. Und zwar jede Menge. Immer drauf damit.
Das niedersächsiche Landesamt für Verbraucherschutz LAVES fand in 96% aller konventionellen Proben Pestizidrückstände - bis zu 10 Wirkstoffe in einer Erdbeere! Also aufgepasst, was man sich da so in seinen Einkaufskorb legt.

Besser sind Bio-Erdbeeren.
Anders, als beim konventionellen Anbau müssen Bio-Bauern ihre Erdbeeren nämlich ohne Pestizide verteidigen. Sie decken ihre Kulturen mit Vlies ab, lassen Laufenten auf die Schnecken los und Raubmilben oder Schlupfwespen auf schädliche Insekten. Als Spritzmittel gegen Milben kommt Schmierseife zum Einsatz. Und gegen Pilze, wie die Graufäule helfen widerstandsfähige Sorten und frische Luft. Deshalb lassen Bio-Bauern mehr Platz zwischen ihren Erdbeerreihen, was allerdings den Ertrag pro Hektar verringert. Auch hat das Unkraut hier mehr Platz zu wachsen, dagegen hilft nur die Hacke - in kleineren Betrieben per Hand, in größeren geht´s maschinell.

Und kurz bevor sich die Früchte zu Boden neigen, gibt´s eine Lage Stroh als Matratze. Sie liegen dadurch trockener und bekommen nicht so leicht die Fäule.
Viel Arbeit und ein hohes Risiko. Daher auch der etwas höhere Preis bei Bio-Erdbeeren.

Aber der lohnt sich, wie ich finde. Lieber ein paar Cent mehr ausgeben und wissen, was man da gekauft hat, als Erdbeeren auf dem Teller, gespickt mit einem Fungizid-Cocktail:
Cyprodinil, Fludioxonil, Fenhexamid oder Boscalid sind nur einige der Wirkstoffe, die bei der Erdbeerproduktion eingesetzt werden.

Übrigens - alle Erdbeeren, ob im Joghurt, auf der fertigen Obsttorte vom Konditor, im gekauften Smoothie oder sonstwo sind immer konventionell angebaute Erdbeeren. Ausnahmen bilden hier die Bio-Produkte. Und in Deutschland gibt es drei Hersteller, die ihre Erdbeeren sogar aus dem heimischen Bio-Anbau beziehen.

Und zum Schluß - wusstet Ihr, dass es sich bei den Erdbeeren gar nicht um Beeren handelt, sondern um Nüsse? Sie gehören botanisch zu den so genannten Sammelnussfrüchten.


Signatur von »Darek« Wer schweigt, trägt Schuld an den Zuständen, die er beklagt!
Und wer vergisst ist verurteilt, dasselbe noch einmal zu erleben!

Social Bookmarks