Polnisch für mich selber zuerst

  • Am Anfang der 60er Jahren war ich Gymnasiast. Dabei hatte die gleichen 3 Fremdsprachen gewählt, die auch davor meine Mutter und deren Vater (aus Cherbourg in der Normandie) zuvor erlernt hatten: Latein, Deutsch und 2 Jahre später Griechisch. Man erwartete viel von der Zukunft und es sah so aus, dass man Neuigkeiten (in Frankreich) entweder aus USA oder aus der UdSSR erfahren konnte, sonst von niergends... Für Englisch hatte ich den Zug verpasst, oder war in dem vielleicht falschen (nein: ich habe hinterher mein ganzes Leben in Deutschland verbracht!) eingestiegen. Aber das konnte fast niemand in Frankreich: Russisch. Und die UdSSR glänzte mit wirklich tollen Publikationen, als erste für uns gewöhnliche Leute die Zeitschrift Sputnik in mehreren Sprachen, nicht nur Russisch. Also brachte ich mir selber mit der Methode Assimil Russisch in den Pausen bei (wie viele Franzosen erwuchs ich im Internat... Es gab bis der Tag rum war viele Pausen). Und ich machte etwas schlaues, ohne wirklich zu ermessen, was ich mir da vorgenommen hatte: Ich zwang mich so viel wie möglich in Russisch zu denken. Das ist nämlich die mächstigste Übung, die man beim Erlernen einer Sprache machen kann!

    Ich lebe seit 1965 (Militärdienst bei der französische Armee) in Deutschland und kam nie dazu, in Deutsch zu denken. Dort im Aussendienst tätig befasste ich mich mit anderen Sprachen aus den mir zugewiesenen Sprachgebieten. Immer wurden sie so beigebracht, als wenn man nur miteinander sprechen tät. Als mein erstes Kind im Kindergarten 1973..74 kam, war jedes zweisprachiges Kind als Ausländerle abgestempelt. Erst 1985 als mein 2. Kind gab es keinen Platz für Kinder neuer Bewohner, das Rathaus verschanzte sich hinter dem Recht, nur 60 % des Bedarfs abdecken zu müssen. Ich wusste von den sozialen Institutionen bei den Besatzungstruppen, und der Sohn ging mit 2 1/4 Jahr so sofort in den englischen Kindergarten der Stadt, wo es aber nur Britten gab. Kein Problem, dachte ich, ich auch bin kein echter Deutscher, ich erlerne Englisch eben nach... Doch, es gibt Probleme, auch wenn es nur Unterhaltung ist, spricht man mit Kleinkindern anders als mit Erwachsenen und die Themen sind völlig anders. Unsere 2 letzten sind damit völlig 2-sprachig Englisch und Deutsch aufgewachsen und in Französisch nicht schlecht.

    Nur, ich stellte fest, es gibt so gut wie kein Buch aus welchem man ziemlich systematisch die Wortschatz erlernen, pflegen und verfeinern kann, um in einer Fremdsprache wie in der Muttersprache denken zu können.

    Im Alter von 80 J. habe ich inzwischen eine enorme Fremsprachen-Bibliothek, ziemlich alle Assimil's beispielsweise, das ist schon ein beachtliches Fundus, und nur ein einziges Buch, in der Tat ein Assimil, Hebräisch ohne Muhe ist der Titel, fängt intelligent an: Drr, drr (D und R sehen sich sehr ähnlich in Hebräisch an! Man lernt sofort 2 Buchstaben, die event. verwechselungsträchtig wären, zu differenzieren, den kleine "Hacken" am D, D und R sind sonst je nur ein Winkel nach links), «was ist, der Telefon, nein der Wecker».

    Ab dann, kannst Du jeden Tag beim Aufwachen Dich zwingen in der Sprache zu denken, «was ist, der Telefon, nein der Wecker». Schon am 2. Tag denkst Du ab Aufwachen in einer der berüchtigt schwersten Sprachen der Welt, Hebräisch! Das ist doch toll, oder? Und das geht so weiter so in den 15 ersten Lektionen. Du hast sofort den Eindruck, jeden Tag sofort mit der neuen Sprache etwas tun zu können, nämlich denken! Und das ist die beste Sprachübung. So oft kannst Du Dich nicht unterhalten, wie Du mühelos denken kannst!

    Ich öffnete dann mein Assimil Polnisch ohne Mühe. Nichts da mit sofort denken (ist nicht unbedingt definitiv zu verdammen: kein der anderen Assimil erfüllt so gut die Forderung, wie das Hebräische. Vielleicht weil das Hebräische wirklich Ergebnisse bringen soll: die Leute, die das erlernen, wollen in so und so viel Wochen schon in Israel für womöglich immer auswandern! Jetzt grübble ich deshalb darüber nach, Polnisch so zu erlernen, dass auch in dieser Sprache ich, vielleicht anstatt Russisch, das ich gar nicht mehr beherrsche, stehen geblieben und verschlissen seit 60 Jahren, anfangen könnte, in Polnisch zu denken, und dann, Schneeball-Effekt, wirklich Polnisch zu vielen Anlässen: Presse lesen, Rundfunk hören, usw.

    Ich suche also nach Freiwilligen, die mitmachen würden!

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