Beiträge von oui

    Wir haben in unserer Stadt im Niederrhein mindestens 2 polnische Feinkostgeschäfte. In der Tat lebten früher hier viele Leute polnischer Herkunft, die beste Freundin meiner Frau ist eine Polin, die gar nichts mehr aus der Heimat ihrer Eltern (beide Polen) weiss, die erste Braut unseres Sohns war eine Polin, deren Eltern Lehrer in Deutschland, Oberhausen, aber beide noch Polen sind. Und mein Gegenüber im Büro während 20 Jahren ist mit einer Polin verheiratet, und verbrach, damals, jedes Urlaub in Polen. Es gibt also scheinbar ein fester Kundenstamm, und man merkt's: Alles dort erscheint (nur) auf Polnisch. Wir gingen jahrelang dort einkaufen, um wöchentlich Brot von einem besonderen (italienischen) Bäcker auf Bestellung, also lückenlos immer, zu kaufen. Und vor den Regalen standen wir beim Warten ratlos davor: Was sind (dort vermutlich) die Spezialitäten, die man auf jedem Fall ausprobieren sollte (und, nicht unwichtig, da wir vegetarisch und ohne Ei leben, auf welchen Wörtern, wie Aspik, Schmalz, Ei, Eiweiss, und, ganz besonders falls anders auf Polnisch, Gelatine, muss man in den Zusammensetzungen aufpassen)?

    Hallo, meine 3. Wortmeldung in diesem Forum wäre: ich entwickle eine Methode, um Französisch besonders einfach zu erlernen. Ich will sie nicht vermarkten. Als Franzose in Deutschland mit deutscher Frau und damit Mischlingen davon, stelle ich fest, dass meine Enkel zu wenig Französisch erlernen. Die Aktion ist also der Versuch, eine schwimmende Sprachbrücke über einen Fluss zu bauen, der immer mehr trennt und trennen wird in der eigenen Familie. Ist aber durchaus für (viele) Anderen brauchbar: Die Idee ist, so einfach und natürlich wie möglich anzufangen, bis man sich in der Sprache (hoffentlich mal wirklich) wohl fühlt, und dann erst an den Schwierigkeiten heranzugehen. Das ist wie beim Rad fahren. Wir, meine Frau und ich, fahren 1100 x 12 km = 13200 km/Jahr nur deswegen (ohne Antrieb) möglich, weil wir immer gegen den Wind starten und mit dem Wind zurückkommen: Am Ende MUSS es Spass gemacht haben, dann startet man am nächsten Tag gern wieder, sonst nicht (wir fahren nämlich so etwas wie 360 Tage im Jahr: wir fahren immer!).

    Am Anfang der 60er Jahren war ich Gymnasiast. Dabei hatte die gleichen 3 Fremdsprachen gewählt, die auch davor meine Mutter und deren Vater (aus Cherbourg in der Normandie) zuvor erlernt hatten: Latein, Deutsch und 2 Jahre später Griechisch. Man erwartete viel von der Zukunft und es sah so aus, dass man Neuigkeiten (in Frankreich) entweder aus USA oder aus der UdSSR erfahren konnte, sonst von niergends... Für Englisch hatte ich den Zug verpasst, oder war in dem vielleicht falschen (nein: ich habe hinterher mein ganzes Leben in Deutschland verbracht!) eingestiegen. Aber das konnte fast niemand in Frankreich: Russisch. Und die UdSSR glänzte mit wirklich tollen Publikationen, als erste für uns gewöhnliche Leute die Zeitschrift Sputnik in mehreren Sprachen, nicht nur Russisch. Also brachte ich mir selber mit der Methode Assimil Russisch in den Pausen bei (wie viele Franzosen erwuchs ich im Internat... Es gab bis der Tag rum war viele Pausen). Und ich machte etwas schlaues, ohne wirklich zu ermessen, was ich mir da vorgenommen hatte: Ich zwang mich so viel wie möglich in Russisch zu denken. Das ist nämlich die mächstigste Übung, die man beim Erlernen einer Sprache machen kann!

    Ich lebe seit 1965 (Militärdienst bei der französische Armee) in Deutschland und kam nie dazu, in Deutsch zu denken. Dort im Aussendienst tätig befasste ich mich mit anderen Sprachen aus den mir zugewiesenen Sprachgebieten. Immer wurden sie so beigebracht, als wenn man nur miteinander sprechen tät. Als mein erstes Kind im Kindergarten 1973..74 kam, war jedes zweisprachiges Kind als Ausländerle abgestempelt. Erst 1985 als mein 2. Kind gab es keinen Platz für Kinder neuer Bewohner, das Rathaus verschanzte sich hinter dem Recht, nur 60 % des Bedarfs abdecken zu müssen. Ich wusste von den sozialen Institutionen bei den Besatzungstruppen, und der Sohn ging mit 2 1/4 Jahr so sofort in den englischen Kindergarten der Stadt, wo es aber nur Britten gab. Kein Problem, dachte ich, ich auch bin kein echter Deutscher, ich erlerne Englisch eben nach... Doch, es gibt Probleme, auch wenn es nur Unterhaltung ist, spricht man mit Kleinkindern anders als mit Erwachsenen und die Themen sind völlig anders. Unsere 2 letzten sind damit völlig 2-sprachig Englisch und Deutsch aufgewachsen und in Französisch nicht schlecht.

    Nur, ich stellte fest, es gibt so gut wie kein Buch aus welchem man ziemlich systematisch die Wortschatz erlernen, pflegen und verfeinern kann, um in einer Fremdsprache wie in der Muttersprache denken zu können.

    Im Alter von 80 J. habe ich inzwischen eine enorme Fremsprachen-Bibliothek, ziemlich alle Assimil's beispielsweise, das ist schon ein beachtliches Fundus, und nur ein einziges Buch, in der Tat ein Assimil, Hebräisch ohne Muhe ist der Titel, fängt intelligent an: Drr, drr (D und R sehen sich sehr ähnlich in Hebräisch an! Man lernt sofort 2 Buchstaben, die event. verwechselungsträchtig wären, zu differenzieren, den kleine "Hacken" am D, D und R sind sonst je nur ein Winkel nach links), «was ist, der Telefon, nein der Wecker».

    Ab dann, kannst Du jeden Tag beim Aufwachen Dich zwingen in der Sprache zu denken, «was ist, der Telefon, nein der Wecker». Schon am 2. Tag denkst Du ab Aufwachen in einer der berüchtigt schwersten Sprachen der Welt, Hebräisch! Das ist doch toll, oder? Und das geht so weiter so in den 15 ersten Lektionen. Du hast sofort den Eindruck, jeden Tag sofort mit der neuen Sprache etwas tun zu können, nämlich denken! Und das ist die beste Sprachübung. So oft kannst Du Dich nicht unterhalten, wie Du mühelos denken kannst!

    Ich öffnete dann mein Assimil Polnisch ohne Mühe. Nichts da mit sofort denken (ist nicht unbedingt definitiv zu verdammen: kein der anderen Assimil erfüllt so gut die Forderung, wie das Hebräische. Vielleicht weil das Hebräische wirklich Ergebnisse bringen soll: die Leute, die das erlernen, wollen in so und so viel Wochen schon in Israel für womöglich immer auswandern! Jetzt grübble ich deshalb darüber nach, Polnisch so zu erlernen, dass auch in dieser Sprache ich, vielleicht anstatt Russisch, das ich gar nicht mehr beherrsche, stehen geblieben und verschlissen seit 60 Jahren, anfangen könnte, in Polnisch zu denken, und dann, Schneeball-Effekt, wirklich Polnisch zu vielen Anlässen: Presse lesen, Rundfunk hören, usw.

    Ich suche also nach Freiwilligen, die mitmachen würden!

    Ich habe mich soeben registrieren lassen. Ich bin Franzose aus einer Stadt, wo zumindest früher eine Kirche der polnischen Gemeinschaft gewidmet war oder vielleicht noch ist, wenn ein junger polnisch sprachiger Pfarrer für St-Nicolas in Troyes (France) gefunden wurde. Es gab vielleicht noch eine polnische Folklor-Gruppe. Ich spreche kein Polnisch, habe aber früher Russisch erlernt. Polnische Texte kommen mir daher vertraut, obwohl ich sie nicht wirklich lesen kann, nur manchmal deuten. Deutsch war für mich Fremdsprache. Nachdem ich aber schon 60 Jahren in Deutschland lebe und Deutsch unsere Familiensprache ist, habe ich keine Mühe damit solange man duldet, dass ich Geschlecht und Fälle (Stuttgarter tun's auch) à la mode française vertausche (der Sonne und die Mond)... Ich wohne im Niederrhein, habe 3 erwachsene Kinder und 6 Enkelkinder. Ich würde mir gern die polnische Sprache, zumindest etwas, zusätzlich aneignen (zur Zeit beschäftige ich mich mit Hebräisch. Viel Juden sprachen Polnisch. Ich bin nicht Jude, aber Troyes ist auch die Stadt von Rachi von Troyes, Juden wissen wer er war!).